(...) Man muss Geduld haben
Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.
 
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

R.M.Rilke

Zwischen den Jahren

gewünscht und bekommen

einsamkeit gewünscht und bekommen.
allein und verlassen fühlt es sich an
still
in einer lauten welt
sie dreht sich weiter
kämpft und brüllt

auch ohne mich wird getanzt
in einer lauten nacht

stille gewünscht und bekommen, um klarheit und ruhe zu finden
nun wirbelt dunkelheit
und chaos in mir

inneren frieden, gelassenheit, mut...

in einer lauten welt, in der es brüllt, in der es keinen frieden gibt

loslassen wünsche ich mir,
frei werden von zwängen, gedanken, guten vorsätzen und vorstellungen

in einer welt die soviel mehr ist als ein explosiver, kämpfender Ort

eine sehnsucht nach lebendigkeit,
alles spüren, alles leben und nicht aufgeben, wenn es zwecklos erscheint

handeln, als gäbe es nur diesen einen moment,
lieben - dafür geboren-
mit jeder faser meines seins-

und dann die faust öffnen- 
es ist schwer, weil schon so lange geballt,
jeden muskel einzeln locker lassen
und die hand hinhalten
als setzte sich ein rotkehlchen
 darauf

einsamkeit und stille-
gewünscht und bekommen
 beginne  neu 
zu lieben


Melissa 31.12.2025 

 29. Dezember 2025
Liebes Leben, du gibst wirklich alles, damit ich üben kann Lebendigkeit weiterin zu spüren. Manchmal fühlt es sich so an, wie der Winter, als wäre alles vorbei. Eingefroren, verblüht, kalt und kahl. Die Welt ist jetzt grau. Wenn es mir heute, nur für diesen Moment gelingt dieses innere und äußere Grau nicht als Gefahr wahrzunehmen, sondern es aushalte, einfach nur damit zu sein, dann beginnt sich etwas in mir zu öffnen. Ganz langsam vollführt sich ein Wandel. Aus einem Gefühl von Angst vor der Zukunft, Hoffnungs- und Hilflosigkeit, wird etwas Neues geboren. Nicht weniger schmerzhaft, aber kraftvoller, bunter und lebendiger. Plötzlich tauchen Chancen auf, ich habe Mut etwas zu wagen, der Raum wird weit und beginnt zu leuchten. Es macht sich Freude und Hoffnung breit.
Ich empfinde diese Art der inneren Arbeit immer wieder als Herausforderung. Es gibt soviel Zweifel, alte Muster und Vorstellungen in mir, die mich "bewahren" wollen vor Niederlagen und Ablehnung, aber ich möchte auch im nächsten Jahr mutig sein, mir und der Welt zeigen: ich bin da! Ich liebe das Leben, egal was es für mich bereithält. Und: Nein, liebes Leben, das ist keine Aufforderung, mir mehr von dem Grau zu geben :)  Es ist eher ein Friedensangebot, dass ich bereit bin dich anzunehmen, wie du bist und nicht gegen dich, sondern mit dir zu kämpfen. Lass mich all deine Wunder sehen, Lebendigkeit spüren, das Glück  erleben und deiner unendlichen Liebe und Schöpfungskraft vertrauen.

Ich wünsche allen Lebewesen auf dieser Erde aus tiefsten Herzen Frieden, Innen und Außen.
Kommt gut ins Neue Jahr.
Freue mich auf ein Wiedersehen.

10.06.2025

Das Leben ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Für viele Menschen nie. Wir bewegen uns in einer Welt in der es Schmerz und Leid gibt. Menschen werden ausgegrenzt, es gibt Zerstörung, Krieg , Hass, Krankheit...und so vieles mehr. Ich habe auf meiner letzten Spiekeroogreise "the end of the f. world" besucht. Ein Projekt von Constanze Klar (knetgummi_in_context), die einen Raum geschaffen hat in dem sich unbekannte Menschen spontan begegnen und über ihre Wünsche, Ängste, Erlebnisse, u.v.m. in und mit dieser Welt austauschen. Mir ist dort wieder einmal sehr bewußt geworden (dank der Begegnungen, des Ortes und Constanze!), dass ich mich in einer sehr previligierten Lage befinde. Ich habe ein Zuhause, Familie, einen Job, meine Seminare, genügend Geld um zu Leben und Zeit um mich auf persönliche Prozesse einzulassen. Dafür bin ich sehr dankbar. Aber ich nehme auch das Leid in mir und der Welt wahr, die Verunsicherung über die politische Lage in unserem Land, wie auf der ganzen Welt, die Katastrophen, die sich aneinanderreihen, wie Perlen auf einer Kette und ich spüre die Hilflosigkeit, Angst und Verzweiflung, die mich erfasst, wenn ich daran denke, dass ich Kinder habe, die in dieser Welt frei leben wollen, die dafür kämpfen einfach nur zu "sein", kreativ und empathisch ihr Leben zu Leben. Und mich quält die gleiche  Sehnsucht, dass ich selbst auch gern in einer Welt leben möchte, in der die Natur und Menschen gesund sein können, ohne sich zu verbiegen, ausgebeutet zu werden oder sich verstellen zu müssen. Ich möchte sagen, dass ich TROTZ ALLEM Hoffnung habe und nicht aufgeben möchte, manchmal fällt mir das nicht leicht. Aber ich will meine Arbeit "intuitives Malen" weiterhin nutzen, um die schöpferische Kreativität, den Glauben an "das Gute", in die Menschen und die Welt zu senden. Ich möchte euch ermutigen, uns Menschen, die wir in der glücklichen Position sind, uns mit den eigenen Schwächen und dunklen Seiten in uns auseinanderzusetzen, aufzustehen! Wir haben in meinen Augen die Aufgabe ein Licht zu sein, für die, die keine Kraft, Geld oder Hoffnung (mehr) haben. Lasst uns kämpfen für eine Welt, in der wir alle gemeinschaftlich leben können. Lasst uns akzeptieren und lieben, dass jeder Mensch einzigartig ist und auch so leben darf. Lasst uns ein strahlendes Licht aussenden und Impuls sein, für eine Welt in der Mensch, Mensch sein kann. Lasst uns nicht nur träumen von einer Welt die keine Kriege braucht, weil es genug Platz und Nahrung für alle gibt. Eine Welt in der sich niemand verstecken muss, in der Leben geachtet wird, eine Welt in der nicht die die Macht ausüben, die das meiste Geld besitzen, sondern diejenigen, die lieben. Lasst uns der Intuition folgen und Mensch sein, denn dazu braucht es garnicht viel...hinspüren, ein Wort, eine gute Tat, ein freundlicher Blick, ein mutiges Aufbegehren im richtigen Moment. Wenn wir unserer Intuition folgen, kennen wir den nächsten stimmigen Schritt, wir werden Handlungsfähig. Genau das üben wir beim Malen. Wir wissen, wie es sich anfühlt und welche Kräfte wirken. Wenn wir uns der Quelle anvertrauen, wenn wir Angst bekommen und einen Schritt nach dem anderen gehen, in eine Offenheit, die unser Verstand nur selten teilt. Dann können wir mit voller Kraft aus alten Mustern und Glaubenssätzen hinaustreten, uns vertrauens-hoffnungsvoll auf den Weg machen. Während des Gehens entsteht schon eine neue, lebendige Zeit. Dann werden wir Schöpfer- und Gestalter*innen einer wunderbaren, kreativen Welt.... vielleicht ist das dann nicht "das Endziel der Glückseligkeit"- aber was ist das schon....?
Herzlichen Dank Constanze für deinen Impuls und dein Licht!
Ich träume weiter und gebe die Hoffnung nicht auf! 

Spiekeroog 2025

Januar 2025

Atme, 
spüre deine Ganzheit. Sei dir bewusst, dass dein Leben wertvoll und bedeutend ist, egal wo du stehst, was du tust, welche Aufgaben dir das Leben stellt oder wer du gelernt hast zu sein. Gehe Schritt für Schritt, eile dich nicht, denn der einzig echte Moment ist die Gegenwart und die ist immer frischer, neuer und überraschender, als du es dir in deinen kühnsten Träumen vorzustellen vermagst.

...aus dem Buch "Momo":

 „Siehst du, Momo“, sagte er dann zum Beispiel, „es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Strasse vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man."
Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: „Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, daß es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“
Er dachte einige Zeit nach.
Dann sprach er weiter: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muß nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“
Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: „Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“
Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: „Auf einmal merkt man, daß man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.“ Er nickte vor sich hin und sagte abschließend. „Das ist wichtig.“

Quelle: Momo von Michael Ende